Dienstag, 13. September 2022

Handgemachte Form



Während ich die Oberfläche des Topfes mit der Schlinge bearbeite, kommen mir viele Gedanken. Heute ein wichtiger Gedanke zur Form. Es ist ein Unterschied ob eine Form ausgemessen und maschinell hergestellt wurde oder ob sie von einem Menschen per Hand gemacht wird. Da ich jetzt in der Lage bin kleinste Formunterschiede wahrzunehmen, die ich früher niemals wahrgenommen hätte, stelle ich fest, dass eine Linie die ein Mensch macht niemals so gerade sein kann wie eine Linie die eine Maschine macht und das gilt auch für Flächen. Eine Fläche von einem Menschen von Hand gemacht bekommt immer eine leicht individuelle Form durch die ganz leichten Krümmungen im Raum, die entstehen wenn der Mensch eine Fläche von Hand erstellt oder bearbeitet. Ist das eine Binsenweisheit? Wir alle sind ständig umgeben von maschinell erstellten Formen. Sie sind auf jeden Fall ein klein wenig kälter als von Menschenhand gemachte. Sie wirken auf die Seele.

Mittwoch, 17. August 2022

Techniken in der Temperamalerei - Übergänge mit dem Küchentuch

 Ostern


Bei diesem Bild wurden die Übergänge von Farbe zu Farbe so gestaltet, dass keine schroffen Linien entstehen (außer am Außenrand von Grün) und die Übergänge relativ schmal sind. Um das zu bewerkstelligen, werden die Farben zuerst mit dem Pinsel aufgetragen und nach einer kurzen Trockenzeit mit einem Küchentuch verwischt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Farben nicht zu sehr vermischt werden. Man verwischt also zuerst den äußeren Rand des Kreises und achte darauf, dass auf dem Küchentuch zum Beispiel grün und gelb getrennt bleiben, also das Küchentuch nicht drehen oder hin und her bewegen.

Die Mischung von Öl und Wasser bei der Temperaemulsion ist von großer Bedeutung. Ist die Farbe zu ölig, gibt es kleine Kügelchen, dann muss etwas Feuchtikeit zugegeben werden. Entweder auf das Küchentuch oder auf das Bild sprühen. Aber Vorsicht: Bei zuviel Wasser läuft die Farbe herunter und gibt Laufspuren, die nur mühevoll wieder entfernt werden können.

Man hadert oft mit dieser Technik, aber letztendlich kann alles gelingen.




Techniken in der Temperamalerei - Naturschwamm

Herz


Hier sieht man eine Figur, die mit Temperafarbe behandelt wurde. Im nächsten Schritt werden bestimmte Stellen aufgehellt.



Mit dem in Wasser ausgedrückten Naturschwamm über die Farbe streichen = hell wie der Untergrund. Mit dem Schwamm tupfen = die Farbe verteilen. Besonders Übergänge an den Rändern lassen. Welche Stellen heller werden sollen setzt selbstverständlich der Künstler fest. Man beachte: Hell tritt hervor, Dunkel tritt indem Hintergrund.
 

Mittwoch, 15. Juni 2022

Wie organisiere ich eine Ausstellung?

Wenn Du schon einige Werke zusammen hast, eventuell so 20 an der Zahl, dann ist es notwendig sie auch auszustellen. Klar, am Anfang hat man da große Bedenken. Aber du begibst dich auf eine tolle Reise, denn jede Ausstellung zieht wieder etwas nach sich, was später passiert. Zuerst brauchst du eine Räumlichkeit, das kann alles mögliche sein: dein Garten, ein Zimmer, dein Haus, ein leerer Raum, eine Galerie, ein Geschäft. Es ist wichtig für dich das passende zu finden. Was natürlich unbedingt dazugehört sind folgende Dinge:

- Bilderschienen

- Aufhängevorrichtungen

- Säulen für Plastiken oder Skulpturen

- eine Einladungskarte

- Nummern für die Werke

- eventuell Namenkärtchen

- eine Preisliste

- Bekanntmachung im Netz und durch verteilen der Einladungskarten

- Informationen an die örtliche Presse

Hier ein Beispiel für meine Ausstellung, die ich gerade organisiere zusammen mit SK Hörakustik in Frankenthal. Es ist toll, wenn man gefragt wird, ob man ausstellen will, da muss aber schon ein wenig mit seinen Werken bekannt sein und wenn das Geschäft eigens einen Raum für die Ausstellung zur Verfügung stellt, was gerade der Fall ist. Wenn man Räumlichkeiten sucht, dann sollte man auch bedenken, ob man Kunst oder Dekorationsobjekte ausstellen will. Kunst hat nicht das Ziel im Wohnzimmer oder im Garten aufgestellt zu werden. Wenn das aber doch jemand tut, dann ist das kein Fehler.

Wichtig ist auch die Preisgestaltung. Verschenke Dich nicht zu sehr. Bedenke die Arbeitszeit und die Idee. Geh nicht davon aus, dass deine Werke Kassenschlager werden. Es geht um Liebe und nicht um Masse.

Hier noch die Einladungskarte zur Orientierung:




Dienstag, 24. August 2021

Kopflastig - Gibt es das?

Gibt es das?

Zur Probe habe ich diesem Kopf an einem Auge gerade noch ein Oberlid gemacht. Danach habe ich die andere Seite grob ausgearbeitet. Wie ich den Kopf umdrehe, um ihn im Spiegel von der Ferne anzusehen, gibt es einen kleinen Blitz, das andere Auge zwinkert einmal! Das ist wie eine Zustimmung: So ist das andere Auge gut! Unglaublich aber wahr!



 

Dienstag, 10. August 2021

Aus dem Atelier: Erkenntnisse beim Modellieren


Wenn ich im Atelier beim Plastizieren bin, dann habe ich immer die besten Gedanken. Gerade bin ich an der Arbeit in der Nasenumgebung und ich arbeite nah dran und gebe eine gute Form. Dieses Schaffen ist auch immer ein Stück Lernen und Weiterentwicklung. Es geht jetzt wieder im Kleinen um Form und Ausdruck. Der Kopf soll positiv in die Welt schauen und Zuversicht vermitteln. Das ist die Gesamtaussage. Bei den Einzelheiten arbeite ich an Teilaussagen, die letztendlich die Gesamtaussage bilden. Ich habe da einen sehr genauen Blick. Man sieht es auf dem Bild, muss aber ganz genau hinsehen: Auf der linken Seite vom Betrachter aus ist der Nasenflügel etwas dicker. Das signalisiert eine plumpe Einatmung, die nicht zum Ganzen passt. Ein positiver Mensch atmet leicht. Die Nasenflügel werden also etwas zierlicher angelegt! Das ist eines der vielen Gebiete, auf denen Ausdruck geschaffen werden kann.



Montag, 9. August 2021

Aus dem Atelier: Kopflastig

Hier berichte ich von meiner Arbeit im Atelier und steige gleich ein: Ich arbeite gerade an einem neuen Langkopf. Die Technik des Plastizierens halte ich während der Arbeit offen, denn ich entscheide ständig, was werden soll und die Technik bestimmt ja mit, welcher Eindruck beim Betrachtenden entsteht. Übungen, zum Beispiel mehrere Mundpartien plastizieren, können nur zum Ziel haben, die grobe Form zu lernen. Der eigentliche Ausdruck ergibt sich nur im Zusammenhang mit dem ganzen Gesicht. Außerdem kommt natürlich das, was später zum Vorschein kommen soll aus meinem Inneren und kann nicht in irgendwelchen Übungen vorweg genommen werden, denn das was da entsteht ist nicht nur personen-, sondern auch situationsabhängig.



Ich bin gerade dabei die Mundpartie zu modellieren. Seit ich mich mit Kopfplastiken beschäftige, möchte ich nicht das Hässliche in die Welt setzen, obwohl das durchaus seine Berechtigung hätte, sondern mich in Richtung Schönheit bewegen. Es war immer

mein Ziel einen Mund zu machen, der lächelt. Dieses Lächeln möchte ich weiterentwickeln. Für mich ist das eine der spannendsten Prozesse überhaupt.