Nicht jedes Tempera-Gemälde beginnt mit einer Skizze. Oft entstehen meine Arbeiten direkt auf der Leinwand, im Dialog mit Farbe und Form. Doch für dieses geplante Werk in Blau und Gold habe ich bewusst den Weg über den Entwurf gewählt.
Der Grund: Die starke Symmetrie der Komposition und die präzisen Proportionen der einzelnen Elemente sind entscheidend für die spätere Aussage des Gemäldes. Geometrische Grundformen – Dreieck, Kreis – verbinden sich mit den organischen Linien des menschlichen Gesichts. Hier muss jede Größe, jeder Übergang stimmen.
Die handschriftlichen Notizen sind mein Arbeitsgedächtnis: Sie markieren kritische Punkte, an denen besondere Aufmerksamkeit nötig ist – Proportionen, Übergänge, Farbverläufe, malerische Herausforderungen. Jede nummerierte Anmerkung ist eine Erinnerung für den nächsten Arbeitsschritt.
In diesem Fall ist die Skizze mehr als nur eine Zeichnung – sie ist Planungsdokument, technisches Werkzeug und Erprobungsraum. Hier kann ich freihand experimentieren, präzisieren, Proportionen erfühlen, bevor ich zu Pinsel und Farbe greife.
So entsteht Schritt für Schritt – durch bewusste Wahl der Methode – aus einer Idee ein Tempera-Gemälde.
Dein eigener Weg zum Entwurf
Jeder Künstler findet seinen eigenen Zugang. Manche brauchen die Skizze als Kompass, andere lassen sich von der Spontaneität leiten. Wenn du selbst mit einem Gemälde beginnst, frage dich: Brauche ich Struktur oder Freiheit? Welche Elemente sind so wichtig, dass ich sie vorher klären muss?
Vielleicht hilft dir eine lockere Bleistiftskizze, vielleicht ein Farbtest auf Papier. Oder du beginnst direkt auf der Leinwand und lässt das Bild im Prozess entstehen. Es gibt kein Richtig oder Falsch – nur deinen Weg, der zur Aussage deines Werkes passt.
Probiere aus: Skizziere geometrische Grundformen, spiele mit Proportionen, notiere dir Gedanken am Rand. Lass die Vorbereitung zum Teil des kreativen Prozesses werden.
Zeig mir deine Skizze
Arbeitest du gerade an einem eigenen Entwurf? Ich würde mich freuen, deine Skizzen, Notizen oder ersten Versuche zu sehen. Teile sie mit mir [hier oder per E-Mail] – vielleicht entsteht daraus ein Austausch über unsere unterschiedlichen Wege zur fertigen Leinwand.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen